Zum Hauptinhalt springen

Das zweistufige Hörscreening in der Praxis

Durch die Kombination von TEOAE und AABR in einem Screening-Handgerät kann das 2-stufige Screening Konzept effektiv und kostengünstig durchgeführt werden. Dieses Konzept wurde in der Wessex-Studie getestet und erreichte eine hohe Sensitivität von 91,7% und Spezifität von 98,5% (Quelle: GBA-Beschluss; Tragende Gründe 19. Juni 2008).

Im Neugeborenen-Hörscreening kommen zwei objektive Messverfahren zum Einsatz: die transitorisch evozierten otoakustischen Emissionen (TEOAE) und die automatisierte Hirnstammaudiometrie (AABR). Beide Verfahren sind für das Hörscreening geeignet, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Untersuchungsdauer, Aufwand und Anwendungsbereich.


TEOAE-Messungen ermöglichen ein schnelles und zuverlässiges Screening der Innenohrfunktion (der äußeren Haarzellen) und können in der Regel innerhalb weniger Sekunden durchgeführt werden. Daher eignen sie sich besonders für die 1. Stufe des Neugeborenen-Hörscreenings als Primärscreening der großen Mehrheit gesunder Neugeborener.


Die AABR untersucht zusätzlich die neuronale Hörbahn bis zum Hirnstamm und kann auch seltene Störungen wie eine auditorische Neuropathie erkennen. Aufgrund der längeren Messdauer und des höheren Ressourcenbedarfs wird die AABR bevorzugt bei Risikokindern oder zur Kontrolle auffälliger Erstbefunde eingesetzt.


Das in Deutschland etablierte zweistufige Screeningkonzept folgt daher einem einfachen Grundsatz:

So viele TEOAE-Hörscreenings wie möglich – so viele AABR-Hörscreenings wie nötig

Was bedeutetet das jetzt nun konkret?

  • TEOAE sind schnell, kostengünstig und für die große Mehrheit der gesunden Neugeborenen ausreichend
  • AABR werden gezielt dort eingesetzt, wo ihr zusätzlicher diagnostischer Nutzen tatsächlich benötigt wird:
    • bei auffälligem TEOAE-Befund
    • bei Risikokindern
    • zur Senkung der Refer-Rate
    • zum Ausschluss einer auditorischen Neuropathie

Nicht jedes Neugeborene benötigt eine AABR – aber jedes Neugeborene benötigt ein zuverlässiges Hörscreening. Die AABR sollte dort eingesetzt werden, wo ihr diagnostischer Mehrwert den zusätzlichen Aufwand rechtfertigt.

Dieses Vorgehen verbindet eine hohe Screeningqualität mit einem effizienten Einsatz personeller und technischer Ressourcen. Gleichzeitig werden Risikokinder und auffällige Befunde gezielt einer weiterführenden Untersuchung zugeführt, um eine frühzeitige Diagnose und Versorgung von Hörstörungen sicherzustellen.

Neugeborenen Hörscreening Musterrechnung

Parameter TEOAE AABR
(monaural/einohrig)
AABR
(50%binaural/beidohrig)
Messzeit pro Ohr 1 min 4 min 4 min
Messzeit zwei Ohren 2 min 8 min 6,4 min
REFER-Rate TEOAE Screening  4%  -  -
AABR-Kontrolle  8min  -  -

Zweistufiges-Screening (TEOAE & AABR)

  • 100% der Kinder erhalten TEOAE
  • 4% der Kinder erhalten eine AABR

Reines AABR-Screening

  • 100% der Kinder erhalten ein AABR-Screening

Musterrechnung mit 1.000 Geburten pro Jahr

Parameter Zweistufiges-Screening
(TEOAE + AABR-monaural)
AABR
(monaural/einohrig)
TEOAE-Screening 1.000 0
AABR-Screening 40 1.000
Zeit TEOAE  2.000 min  0 min
Zeit AABR  320 min  8.000 min
Gesamtzeit (min)  2.320 min  8.000 min
Gesamtzeit (h)  38,7 Stunden  133,3 Stunden
Mehraufwand AABR  -  +94,6 Stunden p.a.

Einfluss der binauralen AABR-Messung

Das AABR-Screening kann mit dem QScreen TA bei einem Teil der Kinder binaural (beidohrig gleichzeitig) durchgeführt werden. Hierdurch ergibt sich eine Zeitersparnis von etwa 40 % gegenüber einer rein monauralen (einohrigen) Messung.

Berücksichtigt man, dass bei einem zweistufigen Screening etwa 50 % der erforderlichen AABR-Messungen binaural durchgeführt werden können, ergeben sich folgende jährliche Untersuchungszeiten:

Geburten/Jahr Zweistufiges-Screening
(TEOAE + AABR-monaural)
Zweistufiges-Screening
(TEOAE + AABR-50% binaural)
AABR-Screening
(monaural/einohrig)
AABR-Screening
(50% binaural)
1.000 38,7 Stunden 37,6 Stunden 133,3 Stunden 106,7 Stunden
2.000 77,3 Stunden 75,2 Stunden 266,7 Stunden 213,3 Stunden
2.500 96,7 Stunden 94,0 Stunden 333,3 Stunden 266,7 Stunden

Die Musterrechnung zeigt, dass der größte Effizienzvorteil durch das zweistufige Screeningkonzept entsteht. Während bei einem reinen AABR-Screening sämtliche Neugeborenen untersucht werden müssen, erhalten beim zweistufigen Vorgehen lediglich etwa 4 % der Kinder eine zusätzliche AABR-Untersuchung. Die Möglichkeit der binauralen AABR-Messung mit dem QScreen TA reduziert den Zeitaufwand zusätzlich und verbessert die Effizienz insbesondere bei Kliniken mit hohen Geburtenzahlen oder beim Einsatz auf einer neonatologischen Station.